Hedonismus

Liest man in den altgriechischen Schriften, so verblüfft des Öfteren die Erkenntnis, dass sich der Mensch von Grund auf nicht geändert habe. So führten schon die antiken Griechen darüber Diskurs, in welchem Maße die Jugend doch verwahrlosen würde und die edlen Ideale der vorangegangenen Generation mit Füßen tritt. So wurde, nach all den langen Jahren, sogar aus dem hochgeschätzten philosophischen Konzept des Hedonismus letztlich nur ein abschätziges Beiwort für Trunksucht, Faulheit und Völlerei. Einst war ein Hedonist jedoch ein Weiser Mensch, welche die körperliche und seelische Freude als die höchsten Gaben des Lebens betrachtete.

Hedonismus in der Antike

Die Wiege der abendländischen Philosophie, das antike Griechenland, gebar im fünften Jahrhundert vor Christus den Philosophen Aristippos von Kyrene und mit ihm die Konzeption der hedonistischen Idee. Der Zeitgenosse des Sokrates fußte seine Überlegungen über den Wert des Lebens lediglich auf die Empfindungen von Lust und Freude. Die ursprüngliche Prägung des Hedonismus war dabei elementar verwandt mit dem sogenannten Utilitarismus, welcher als ethisches Konzept die Maximierung von erlebten Glückszuständen theoretisiert. Im Rahmen der Aggregation zum Gemeinwohl spielt der Hedonismus insofern eine essentielle Rolle in den utilitaristischen Prinzipien, da die Maximierung des Glückes im Individuum beginnt. Erst Epikur ergänzt diese Theorie um eine skeptische Komponente, indem er sie um den Begriff der Ataraxie bereichert, welcher die Seelenruhe als höchste Form des Glücks begreift. Nach Epikur kann ein Leben, welches schlichtweg auf der Akkumulation von Glückszuständen basiert, nicht zur inneren Autarkie führen.

Hedonismus im Mittelalter

Nach dem Niedergang der zivilisatorischen Hochkulturen des antiken Griechenlandes und des Römischen Reiches folgte eine jahrhundertelange Dürreperiode in Bezug auf die philosophische Schaffenskraft des Abendlandes. Die Gelehrten des Mittelalters bestand hauptsächlich aus Klerikern, die alleinig befähigt waren lateinische und altgriechische Schriften zu verstehen. Obwohl das philosophische Kulturgut der Antike hoch geschätzt wurde, war die Auslegung der Philosophie streng an der katholischen Glaubensrichtung orientiert. Womöglich wurde der Begriff des Hedonismus schon damals mit einer negativen Konnotation belegt, indem er als Gegenpol zur Askese der gelehrten Mönche verstanden wurde.

Hedonismus in der Moderne

Erst die Epoche der Aufklärung verhalf der Philosophie zu neuer Innovation und Komplexität. Thomas Hobbes verwendete den Hedonismus im Rahmen seiner Arbeiten zur Staatstheorie in einer präskriptiven Weise, um die Handlungsinitiative des Menschen zu formalisieren. Nach Anschauung von Hobbes ist das Leben eine Form der Bewegung, dessen Initiative aus der Bestrebung hervorgeht Lust (“passion”) zu verspüren.

Die Vorstellungen der Moderne grenzen den Hedonismus somit von normativen Werttheorien der Antike ab und heben ihn aus der teleologischen Einbettung, welche einem jeden Entwicklungsprozess einen direkten Zweck in einem komplexen Ganzen zuordnet. Der englische Philosoph Jeremy Bentham entwickelte schließlich mit seiner Moralkonzeption des hedonistischen Utilitarismus ein normatives Fundament, welches ironischerweise maßgeblich die Wirtschaftswissenschaften beeinflusste und somit den materialistischen Hedonismus der Moderne ausprägte. Was würde Epikur wohl sagen?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *